• Steffen Quasebarth

Never ever again


Hi, ich möchte nicht, dass ich beim Kneipenbummel mit Freunden über die Schulter schauen muss, aus Angst, dass jemand unser Gespräch belauscht.

Ich möchte nicht, dass meine kleine Tochter zwangsweise Mitglied in einer Organisation wird, die sie zwingt, ihren eigenen Willen aufzugeben, Befehlen blind zu gehorchen und andersdenkende Menschen zu verachten oder zu denunzieren.

Ich möchte nicht, dass Kunst vom Staat zensiert oder als entartet gebrandmarkt wird und dass Künstler verhaftet und gefoltert werden, weil sie ein Bild gemalt oder einen Song geschrieben haben.

Ich möchte nicht in einem Staat leben, der mir vorschreibt, was ich zu denken habe und wie ich zu grüßen habe.

Ich möchte nicht in einem Staat leben, der keine andere Familienform anerkennt, als Vater, Mutter, Kind.

Ich möchte nicht in einem Staat leben, der seine Söhne als Material für künftige Kriege betrachtet und seine Töchter als Gebärmaschinen ansieht.

Ich möchte nicht in einem Staat leben, der andere Länder mit Krieg überzieht, deren Einwohner tötet und diese Aktion auch noch voller Menschenverachtung "Säuberung" nennt.

Ich möchte nicht in einem Staat leben, dessen Geheimpolizei die Bürger morgens um vier aus dem Bett klingelt, in die Wohnung stürmt, Männer, Frauen und Kinder zu Tode erschreckt, die Einrichtung zertrümmert, Familienmitglieder verhaftet und auf unbekannte Zeit in Verliese verschleppt, wo sie ohne Anklage, ohne jegliche Rechtsgrundlage wochenlang verhört und gefoltert werden.

Ich möchte nicht in einem Staat leben, der alle, die nicht die Staatsmeinung wiederholen oder einer bestimmten Religion, Glaubens- oder Denkrichtung angehören, welche dem Staat nicht passt, verhaften lässt und in Lager sperrt, wo sie getötet werden.

Das Traurige ist:

All' das hat es schon einmal gegeben. Zwischen 1933 und 1945. Man nannte es Nationalsozialismus. Eine Gesellschaftsform, die von Deutschen gewählt, unterstützt und getragen wurde.

Als der Nationalsozialismus zu Ende ging, lagen Großteile der Welt in Schutt und Asche und Millionen Menschen, darunter erschreckend viele Zivilisten, Frauen und Kinder, waren tot. Sie waren vergiftet worden, erschossen, verhungert oder erschlagen worden.

Ich bin froh, dass ich das Glück habe, nach dieser Zeit geboren worden zu sein. Daher will ich mit meiner Arbeit alles tun, um zu verhindern, dass sich derartiges wiederholt.

Heute ist der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus.

Ein Tag, an dem auch ich innehalte.

Ich schließe die Augen und sehe einen Berg.

Einen Berg, aufgetürmt aus Kinderschuhen.

Und ich denke: Nie wieder! Nicht, wenn ich es verhindern kann.

Alles Liebe,

Steffen Quasebarth


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