• Steffen Quasebarth

X wie Xenophobie

Abenteuer Fremdheit


Ich sitze in der Straßenbahn. An der nächsten Station steigen Männer ein. Sie unterhalten sich in einer Sprache, die ich nicht verstehe. Sie sprechen mit einer Lautstärke, die ich für unangemessen halte. Ich beobachte meine Gedanken: “Müssen die so rumbrüllen? “. Ich beobachte meine Körperreaktion. Ich bin alles andere, als entspannt. Da ist Abwehr, Wut und auch etwas Angst. Bin ich xenophob, habe also Angst vor fremden Menschen?


In spiele im Kopf eine andere Situation durch: Fußball-Samstag (zur Vor-Corona-Zeiten). Die Stadt ist voller Fans. Manche ziehen grölend durch die Straßen. Ich prüfe meine Körperreaktion. Es ist die gleiche, wie eben. Ich bin angespannt mit einer Spur von Angst.


Ich versuche ein weiteres Beispiel: Mit der Bahn unterwegs. Im Abteil ein Kind in einem dieser speziellen Rollstühle. Das Kind ist schon in der Pubertät, muss jedoch durch Gurte am Stuhl am “herausfallen” gehindert werden. Sein Körper verkrampft sich immer wieder in spastischen Bewegungen. Sein Augen blicken wirr in die Gegend. Aus seinem Mund kommen Laute, die ich nicht identifizieren kann. Und mein Körper?: leidet leise mit, verkrampft sich ebenfalls und da ist wieder diese Anspannung und ein wenig Angst.


Dieses kleine Gedankenexperiment zeigt mir: Angst vor dem Fremden kommt bei mir häufig vor. Ich kann sie nicht abstellen. Aber ich kann sie achtsam wahrnehmen. Und dann ?


Dann habe ich die Wahl. Wenn ich mir das Gefühl angeschaut habe, kann ich mich entscheiden, wie ich mit der Situation umgehe. Ist die Angst begründet? Ist die Situation tatsächlich gefährlich oder wird mein Gefühl lediglich aus meinen Gedanken genährt? Was denkst Du?


Am Wochenende hatte ich ein paar Matratzen per Kleinanzeige verkauft. Der Käufer kam mit dem Auto zu mir nach Hause. Ein Mann mit schwarzem Bart und dunklem Haar. Er sprach gebrochen deutsch. Ein Fremder. Keiner von hier. Das war auf den ersten Blick zu sehen. Wir grüßen uns, tauschen Höflichkeiten aus, wir sprechen über Matratzen, Umzüge, Möbel und Haushalt. Er erzählt von den Kindern, der Vorbereitung von einer Familienfeier, dem Leben mit dem ungewohnten Winter in Deutschland. In Nullkommanichts wird der Fremde zu einem Vertrauten, zu einem Familienvater, der sich kümmert, der versucht, Frau und Kindern ein Heim zu schaffen.


Fremdheit ist genauso objektiv wie auch in meinem Kopf.


Fremdheit gibt es nicht nur im Aussen. Auch ich selbst kann mir fremd sein, kann das vertraute Gefilde verlassen und fremde Perspektiven einnehmen. Das fühlt sich anfangs immer unvertraut an, nicht selten sind die Gefühle sogar unangenehm.

Am Ende zählt, wie ich damit umgehe, was ich damit mache.


Ich kann Umgang mit Fremdheit üben und ich kann mich selbst darauf trainieren, neugierig und offen zu bleiben.


Liebe Grüße


Steffen


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