• Evelyn Bierbach

Was wäre, wenn...?


Der folgende Gastartikel stammt von Evelyn Bierbach. Evelyn betreibt in Erfurt das Yogastudio Ekatra. Yoga bringt es mit sich, dass Mann und Frau beginnt, sich mit der Frage zu beschäftigen:"Wie wollen wir leben?" Und da auch mich diese Frage immer wieder umtreibt, freue ich mich sehr, Evelyn hier eine Plattform bieten zu können, sich dem Thema ausführlich zu widmen. Evis Gedanken zu lesen, hat mich inspiriert und ich hoffe, Dir geht es ähnlich. Falls Du eigene Ideen dazu hast: Nur zu! Ich freue mich über regen Austausch.

Herzlich

Steffen Quasebarth

Was wäre, wenn…?

Die Welt spaltet sich in Pro-Trump oder dagegen. In Pro-Brexit oder dagegen. In Pro-AFD… In „meine Religion ist die einzig wahre“ oder „meine oder gar keine und ihr seid alles altmodische Spinner“. In „diese Partei ist es“ oder „diese verändert oder bewahrt besser“…

Was wäre, wenn die Religion oder Partei der Zukunft „Humanität“ hieße? Oder „Gesunder Menschenverstand“? Und was müsste dann auf deren Agenda stehen?

In allererster Linie müsste diese Partei unsere Lebensgrundlage schützen - unser Wasser, unsere Luft, unsere Erde.

Sie müsste die Wirtschaft gerecht unterstützen (nicht nur ein paar wenige, große Konzerne, sondern die vielen kleinen Mittelständler, die sich tagtäglich bemühen; Landwirte, die uns ernähren; Lehrkräfte, die uns bilden und die vielen anderen Tausend Menschen, die ihre tägliche Arbeit verrichten). Der Bemessungsfaktor für Förderung und Unterstützungen sollte heißen: „Enkelfreundliche Wirtschaft“. Bei allem Tun unseren Planeten - Mutter Erde - zu erhalten und nachhaltige Wirtschaft zu fördern. In der Landwirtschaft nennt man das dann Permakultur.

All das geht nicht ohne Ethik. Diese Partei müsste Werte und Tugenden fördern und schützen, die unsere Erde erhalten und uns Menschen in der Gemeinschaft und als Individuen gleichermaßen nutzen.

In der Forschung des neuen Zweiges der Positiven Psychologie will man genau das erforschen. Es ist das wissenschaftliche Studieren darüber, welche Kräfte es Institutionen, Gemeinschaften und Individuen möglich machen, aufzublühen, sich zu entfalten. Und zwar nicht nur ein paar wenige, priviligierte. Hier glaubt man daran, dass alle Menschen ein bedeutungsvolles und erfülltes Leben leben wollen und sich mit ihren individuellen Fähigkeiten und Stärken einbringen wollen.

In der Vorab-Forschung gab es dazu ein dreijähriges Projekt, in dem 55 Wissenschaftler unter der Leitung von Chris Peterson, hunderte von Arbeiten und Schriften durchforsteten, in denen es um menschliche Werte, Tugenden, Stärken oder eben das Gute im Menschen ging. Diese Literaturen, von vor 2500 Jahren und buddhistischen Schriften bis zur Jetztzeit, wurden systematisch analysiert. Konnte es sein, dass bestimmte Werte und Charakterstärken unabhängig von Kontinent oder Land, Zeit oder Religion für uns Menschen und für ein gutes Leben wichtig sind? Daten von über 30 Nationen zeigten die Allgegenwärtigkeit von Charakterstärken (CS) , die dann sortiert wurden und als die 24 wichtigsten und erstrebenswertesten CS klassifiziert wurden. Ebenso konnte über alle Kulturen hinweg gezeigt werden, dass diese Werte und Stärken unabhängig von Alter und Geschlecht entwickelt werden können und dass es kulturelle Institutionen gibt, die dies fördern (Niemiec 2014).

Man weiß also heute theoretisch viel über Lebenszufriedenheit, „Positive Leadership“, „Positive Education“ und was wir Menschen brauchen, um uns wohl zu fühlen. Es ist Zeit, die Theorie in die Praxis zu holen und dass sich Parteien und Institutionen damit beschäftigen.

Aber zurück zu meiner neuen Wunsch-Partei.

In die Schulbildung sollte sie sich darum kümmern, dass Lernen wieder sinnstiftend ist versus dem sogenannten Bulemielernen. Schulbildung sollte Wissen über Ökologie, Nachhaltigkeit, Gesunderhaltung von Planzen, Tieren und Menschen als wichtige Pfeiler inkludieren. Warum also nicht auch ein Schulfach, welches Permakultur heißt?

Es braucht Fächer wie Gesunde Ernährung und Gesundes Denken. Schulbildung sollte Achtsamkeit, Selbst-Denken, Kreativität, Gemeinschaft, Freude, Dankbarkeit und Verantwortung zu übernehmen fördern.

Es müsste Fächer geben wie Liebe und Selbstliebe, Humanität oder Mitgefühl. Aber auch Fächer, die ein wenig „Biss“ und Durchhaltevermögen fördern. Es gibt einzelne solche Schulen schon, sie werden als besondere Schulen hervorgehoben, Einzelfälle. Besser wäre es, wenn unsere heutigen „normalen“ Schulen die Einzelfälle würden oder gar ausgedient hätten.

Fächer wie gute Kommunikation. Fächer wie Glück. Nein, Glück ist zu hochgegriffen, zu missbraucht, zu schwammig. Vielleicht eher Wohlgefühl oder Zufriedenheit. Dennoch immer mit dem Blick darauf, dass Individualwohl im Einklang mit dem Allgemeinwohl vereinbar ist, dass Verschiedenartigkeit in Verbundenheit lebbar ist.

Diese Partei müsste alle Menschen sehen, die Reichen und die Armen, die Mittelschicht und Selbständigen (die sich oft am meisten ausbeuten), die in den ländlichen Gebieten, die scheinbar von der Gesellschaft Vergessenen, die Zugezogenen wie die, die da sind. Diese Partei sollte wirklich weise Menschen befragen und den klugen Menschenverstand (versus Wirtschaftsberater, die im Interesse der Großen und Reichen beraten).

Was wäre wenn… nein, so gesponnen ist das alles gar nicht. Da und dort gibt es schon Fragmente und Bemühungen in diese Richtungen. Die Grünen kümmern sich um grüne Belange, die CDU/CSU um die Wirtschaft (und die Christen?), die Linken um die arbeitende Bevölkerung, die FDP um die Selbständigen, die Partei der Liebe um die Liebe und die Partei der Tierschützer um den ethischen Umgang mit Tieren…

Was wäre, wenn es eine kluge Partei des gesunden Menschenverstandes und der Humanität gäbe?

Evelyn Bierbach

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