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Mach was! Werde Teil einer Menge.

Autorenbild: Steffen Quasebarth
Steffen Quasebarth
vor 2 Tagen
5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 11 Stunden

Ich will’s mal so sagen: vier Tage Urlaub an der Müritz - schöne Sache. Das Wasser. Die Bäume (Bäume sind wichtig!). Die  Boote. Herrlich.


Der Wunsch jeden Tag trotzdem gut 90 Minuten zu arbeiten, im Sinne von E-Mails beantworten und unser Demokratieforum am 14. November im Landtag weiter vorzubereiten, ist jedoch so leicht gar nicht umzusetzen.


Denn so schön, wie die Müritz im Oktober ist, mit dem Laub, das sich einfärbt, den Nebeln, die morgens über den Seen schweben und der steifen Brise, die hier bereits herrschen tut (meine Deutschlehrerin verzeiht mir das sicher),


…es fehlt etwas entscheidendes: Das Netz. Dieses Internet, von dem alle so schwärmen. Es glänzt in Deutschland immer wieder mit Abwesenheit.


Und bitte - kommten Sie mir jetzt nicht mit „Aber man soll ja auch Urlaub machen, einfach mal abschalten, einfach mal digital detoxing.“ Darauf möchte ich gern so antworten, wie man es, dort, wo ich aufgewachsen bin, in Erfurt - Nord gern getan hat, wenn es anzuzeigen galt, dass das Fass nun bald übergelaufen sei. Nämlich mit den Worten "s' klatscht glei! "


Weil - ich weiß nicht, ob’s schon wer gemerkt hat, aber ohne Internet finden sich eben auch Busfahrpläne, Museums-Öffnungszeiten, Weiße-Flotte-Abfahrtszeiten, Apotheken-Öffnungszeiten und Adresse und vieles andere mehr, was man im täglichen Leben so lieb gewonnen hat, gar nicht oder nur schwer auf, weil eben alle - ob privat oder öffentlich auf dieses Internetz setzen, von dem alle so schwärmen. Nur - es funzt halt nicht. Es dröppelt bestenfalls. Und dröppel reicht nicht, in Zeiten von 5G. Die hätten wir dann eben auch gern. Überall, wenn's geht. Oder wenigsten, da, wo Menschen, Straßen, Schienen, Wege, Zivilisation vorhanden ist.


Danke liebe Bundes-Politiker der Bundesrepublik in den späten 70er und frühen 80er Jahren, dass ihr diesen Zug nicht nur verschlafen habt. Mit dem Wissen von heute, kann ich mich des Eindrucks nicht verwehren, dass ihr gar nicht gewußt habt, dass da ein Zug auf dem Gleis steht und Richtung Zukunft düst. Ohne Euch. Ohne das Land - also ohne Deutschland. Danke für nichts und Tschüssi.


Überall sonst ging die Post ja ab. Also in Skandinavien, im Baltikum, in Frankreich, Italien, Russland, in China, in Indien, in Südamerika, in Asien - also quasi überall auf der Welt - nur in Deutschland nicht.


Ich rege mich nicht auf. Nein ich rege mich nicht auf.


Ich sitze stattdessen an der Müritz und wundere mich. Nicht nur über das fehlenden Internet.


Ich wundere mich auch darüber, wie Thüringen, oder besser die Menschen, die hier leben, ihr Land sehen. Oder sollte ich besser sagen, die Möglichkeiten, die sie haben, die Politik dieses Landes zu gestalten.


Dass wir uns nicht falsch verstehen. Auf kommunaler Ebene sind die Thüringerinnen und Thüringer recht rege. Da wird auch zwischen den Wahlen fleißig mitregiert oder - sagen wir - mit abgestimmt: Mit Einwohneranträgen und Initiativen wird den Gemeinde - und Stadträten gern mal gezeigt, wie engagiert Bürgerinnen und Bürgern für ihre Interessen eintreten können.


Auf Landesebene ist das Engagement dagegen noch so - sagen wir - ausbaufähig.


Nur mal so in Zahlen. Ich habe am Anfang der Herbstferien gut 120 Einladungen per E-Mail verschickt, an - wenn man so will - alles, was man in Thüringen in Sachen politisches, ehrenamtliches, kulturelles und soziales Engagement kennt und schätzt. Also quasi an alle, von denen ich annehme, dass sie ein Interesse daran haben, die Situation ihrer Klienten oder Mitglieder zu verbessern.


Also Einfluss zu nehmen auf die Entscheidungen, die dieses Land, diese Regierung trifft. Und Einfluss nehmen kann man ja am besten, in dem man mit der Regierung spricht, mit den Abgeordneten spricht oder - wenn das nichts fruchtet - in dem man selbst die Initiative ergreift und Vorschläge ausarbeitet und diese zur Diskussion oder später zur Abstimmung stellt.


Ich mache keinen Hehl daraus. Ich bin - auch wenn ich selbst Mitglied der parlamentarischen Demokratie bin - ein ebenso großer Freund der direkten Demokratie, die in Thüringen - ich erwähnte es schon - auf kommunaler Eben geradezu vorbildhaft ausgebaut ist.


Der Rot-Rot-Grünen Vorgängerregierung und insbesondere den Linken sei dank. Das haben sie wirklich gut hingekriegt. Ehre, wem Ehre gebührt.


Und nun - so mein Gedanke - wäre es nur konsequent - diesen Ausbau auch auf Landesebene voran zu treiben, auf dass die Bürger dieses Landes selbst und zwischen den Wahlen, also quasi jederzeit, Anträge in das Parlament (immerhin ihr Parlament) einbringen und dort zur Debatte stellen können.


Und wenn das Parlament diese Anträge verwirft oder ablehnt, sollten die Bürger -so die Idee - eben den nächsten Schritt gehen können, und daraus eine Begehren machen können und später einen Entscheid und so weiter und so weiter. Wie das in anderen Bundesländern (nicht in allen - zugegeben ) längst Gang und Gäbe ist.


Aber - so muss ich feststellen - es lässt sich schwer an. Der Thüringer (weniger die Thüringerin) ist wenig entschlossen, was diesen Gedanken angeht. Er zögert. Und warum zögert er, so frage ich mich. Was hält ihn (weniger sie) ab, entschlossen und mit Verve in die Gänge zu kommen?


Immerhin - 1989 und auch 1990 war das noch anders. Da gab es kreative und mutige Ideen für dieses Land - für seine Wirtschaft, seine Umwelt, sein Gesundheit - und Bildungssystem. Aber ich schweife ab.


Worauf ich hinaus wollte: wer also will, dass sich wieder was bewegt in Sachen Demokratie und nicht nur auf der Straße stehen und Schilder in die Luft halten will - der muss was tun, muss aktiv werden, Verbündete finden und erleben, dass er und sie Teil einer Menge ist, die nicht ohne weiteres mehr ignoriert werden kann.


Und dazu lade ich ein, also Teil einer solchen Menge zu werden.


Ein Schritt auf dem Weg dahin ist das Demokratieforum Demokratie.Besser.Machen am 14. November im Thüringen Landtag.


Der Eintritt ist frei. Aber, das heißt nicht, das es umsonst ist. Nur kostenlos. Um Anmeldung wird gebeten, denn wir wollen sicher sein, dass jede und jeder einen Stuhl vorfindet und Kaffee und Tee und Brötchen und was man sonst gern um sich hat, an einem Samstagvormittag, neben Menschen, an deren Ansichten man spannend und interessant findet.


Wie das geht mit der Einladung geht, das ist über den Link ersichtlich. Eingeladen sind alle, die ein echtes Interesse daran haben, die Demokratie, wie wir sie kennen weiter zu entwickeln. Und weil wir in Thüringen sind, sage ich es gern nochmal - natürlich gibt es auch was zu Essen. Und Kaffee. Und Tee. Und was man eben sonst gern dabei hat, wenn Menschen kreativ werden und ins Gespräch kommen und Ideen entwickeln, die zu mächtig sind, um noch aufgehalten zu werden.  Also - worauf warten sie noch? Ach - eins noch. Wenn Sie fertig sind, mit dem Anmelden, dann teilen Sie doch den Link mit Menschen, von denen Sie glauben, das wäre was für sie, das mit der Demokratie und ein bisschen Entwicklung.



 
 
 

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