NO MORE! is now.
- Steffen Quasebarth

- 21. Mai
- 3 Min. Lesezeit
(Die folgende Rede habe ich auf einer Demonstration zu oben genanntem Motto "Nie wieder ist jetzt"am 25.09.2024 vor dem Thüringer Landtag gehalten. )
Wir stehen ja heute hier, um ein Zeichen gegen Extremismus zu setzen. Das ist gut. Und gleichzeitig wirft es eine Frage auf. Wenn ich gegen Extremismus bin, WOFÜR bin ich dann eigentlich?
"Was ist das Gegenteil von Extremismus? "
Die Frage klingt verdächtig banal. Viele würden vielleicht sagen: Na - das ist doch einfach:
Das Gegenteil ist Mäßigung, oder vielleicht auch Toleranz. Aber ist das wirklich die ganze Wahrheit?
Das Kennzeichen von Extremismus ist doch absolute Unnachgiebigkeit, extremes Schwarz-Weiß-Denken.
Extremismus ist eine Haltung, die nur EINE Meinung, nur EINEN Weg, nur EINE Wahrheit zulässt. Wenn wir also nach einem Gegenpol suchen, stoßen wir auf etwas Tieferes. Es geht nicht nur um Mäßigung. Es geht um NEUGIER. Es geht darum, die Perspektiven des anderen zu verstehen.
Stell Dir vor, Du sitzt in einem Café: Und am Nachbartisch hörst Du zu, wie dort jemand seine Geschichte erzählt. Und alles daran kommt dir fremd vor. In der Geschichte geht es die Familie, darum wer das Essen kocht, wer das Essen besorgt, wer die Kinder erzieht, wie die Kinder gemacht werden, wie die Kinder lernen. Und alles, wirklich alles an der Geschichte kommt dir fremd vor. Unverständlich.
Extremismus würde darauf so reagieren: “Das geht doch nicht. Das haben wir noch nie so gemacht. Das gehört sofort verboten.”
Aber das Gegenteil von Extremismus, NEUGIER würde uns dazu bringen, zuzuhören, Fragen zu stellen, vielleicht sogar zu sagen: "Erzähl mir mehr davon. "
Das Gegenteil von Extremismus ist die Fähigkeit, inmitten von Unterschieden Gemeinsamkeiten zu finden, und zwar so viele, um zumindest friedlich nebeneinander existieren zu können.
Aber das zu leben, ist gar nicht so einfach. Denn es erfordert Mut. Mut, aus der eigenen Bequemlichkeit raus zu gehen. Mut, die eigene Sichtweise in Frage zu stellen. Mut, die Unsicherheit auszuhalten, die mit Vielfalt einhergeht.
Extremismus ist billig zu haben. Es gibt nur einen Weg, nur eine richtige Antwort. Das Gegenteil von Extremismus kostet Kraft - denn Vielfalt ist vielschichtig, ist komplex.
Und Komplexität ist für viele eine ganz schöne Herausforderung.
Aber zum Glück gibt es eine Verbindung, die uns hilft, diese Komplexität anzunehmen. Mitgefühl.
Die Gefühle anderer Menschen zu fühlen.
Das ermöglicht es uns in ihren Schuhen zu gehen, in ihrer Haut zu stecken, durch ihre Augen zu sehen und DAS ist …intim. Das ist menschlich, so menschlich, wie nur etwas sein kann.
Extremismus ent-menschlicht.
Es geht plötzlich immer nur noch um “die da”.
Wir müssen aufpassen, dass wir nicht in die gleiche Falle tappen. Wir tun gut daran, uns ab und zu zu erinnern, dass hinter jeder Meinung, hinter jeder Überzeugung ein Mensch steht, mit Ängsten, Hoffnungen und Träumen.
Also, wenn ich die Frage beantworten müsste, was das Gegenteil von Extremismus ist, dann sage ich: Menschlichkeit. Das klingt vielleicht ebenfalls banal, aber es ist das, was uns wirklich von den Extremen wegführt. Nicht nur Toleranz, sondern die Bereitschaft, andere als gleichwertig zu sehen. Nicht nur Mäßigung, sondern die Lust auf Dialog. Nicht nur Mitleid, sondern echtes Mitgefühl.
Es geht nicht darum, dass wir uns alle einig sind. Es geht darum, dass wir unsere Unterschiede wahrnehmen, aber darin keinen Fehler sehen, sondern einen Wert.
Extremismus will Vielfalt ersticken – aber das Gegenteil von Extremismus feiert die Vielfalt als Stärke. Und genau darum geht es heute: Darum, dass wir uns entscheiden, diese Welt zu einem Ort zu machen, an dem jeder seinen Platz hat. Ein Ort, an dem wir nicht übereinander urteilen, sondern miteinander reden. Wo wir einander nicht bekämpfen, sondern voneinander lernen.
Und wenn wir diesen Weg einschlagen, dann kann ich voller Überzeugung sagen:
"

Nie wieder ist nicht nur eine Floskel. Es ist eine Haltung. Eine Haltung, die wir besser jetzt leben als morgen.
Weil es die Geschichte uns lehrt.
Und weil es die Zukunft von uns verlangt."



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